
Der Duft des Weines
von Willi Hirsch
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Öffnet man ein gutes Fläschchen Wein, ist die Vorfreude auf den kommenden Genuss entsprechend hoch. Ein formschönes, elegantes Glas hat man auch zur Hand. Der Wein wird langsam und ruhig eingeschenkt, damit sich dieser mit all seinen optischen Reizen und Farbnuancen präsentiert.
Man versucht, möglichst viele Komponenten des Duftes (Bukett, Bouquet) zu erkennen und in Worten „blumig“ zu beschreiben.
Zuerst wird ins Glas „hineingeschnüffelt“. Danach schwenkt man das Glas elegant 5-6 Mal im 6er Sinn und steckt die Nase ein weiteres Mal ins Glas, um sich dem nun verstärkten Duft hinzugeben. Jetzt spielen sich unglaubliche Duft- und Aromaerlebnisse ab. Die Nase steht vor einer echten Herausforderung, die unterschiedlichen, oft sehr vielschichtigen Eindrücke zu erkennen.
Wie riecht der Wein? Ausgeprägt, intensiv oder dezent, verhalten? Jugendlich, frisch oder reif, harmonisch? Duftet er fruchtig nach grünen Äpfeln, Himbeeren, Kirschen oder Pfirsichen, oder blumig nach Rosen oder einer ganzen blühenden Sommerwiese? Zeigt sich der Duft würzig nach Pfeffer, Nelken oder Karamell oder dominieren andere Gerüche wie Trüffel, Tabak, Leder und sogar Teer?
Nun gibt man dem Wein etwas Zeit sich zu beruhigen, bevor man den Vorgang des Schwenkens und „Hineinschnüffelns“ wiederholt. Eine sehr wichtige Rolle dabei spielt die Temperatur des jeweiligen Weines. Ist diese ideal, sind oft die feinsten Nuancen gut zu erkennen, ist der Wein zu kalt oder zu warm hat man wenig bis keinen Duft oder einen überladenen oder nur noch nach Alkohol riechenden Wein im Glas.
Der Geruchsinn ist das wichtigste Werkzeug eines Sommeliers, da die Nase wesentlich mehr Nuancen unterscheiden kann als die Zunge. Die Beurteilung des Buketts ist eine komplexe Angelegenheit, zu der man eine feine, trainierte Nase und ein gutes Duftgedächtnis braucht. Ein geübter Sommelier erkennt anhand der Nase Eigenschaften wie Rebsorte, Herkunft, Alter und Qualitätsstufe. Jede Rebsorte hat ihre eigenen, ganz typischen Erkennungsmerkmale im Duft, die immer wieder erfreuen. So gibt es sogenannte Bukett-Sorten mit intensiven Düften, andere mit dezenten bis neutralen „Nasen“ und andere wieder, die geradezu verzaubern.
So duftet beispielsweise die österreichische Paradesorte Grüner Veltliner nach dem charakteristischen „Pfefferl“, feiner Würze und oft nach grünen Äpfeln. Der Riesling als sogenannter „König der Weißweine“ zeigt eine charmante Frucht nach Pfirsich und Marillen, der Chardonnay in seiner klassischen Form „springt“ förmlich in die Nase mit deutlichen Noten nach Zuckermelonen, reifer Ananas und grünen Äpfeln, während der Gelbe Muskateller meist intensiv an seine Trauben und auch an Holunder erinnert. Ein Weißwein mit großer Aromavielfalt ist der Sauvignon blanc – je nach Herkunft erkennt man Düfte wie Johannisbeeren, Holunder, Brennesel, Gras, Paprikaschoten, bis zu einer feinen Exotik. An den „Duft der Rose“ ist der Traminer sehr gut erkennbar, an Nussaromen der Neuburger. Ebenfalls in diese Richtung duftet der feine Weißburgunder nach Nüssen und Mandeln, oft auch reife Äpfel oder Bratäpfel sind gut erkennbar.
Nicht weniger interessant sind die Buketts der Rotweine. Die meistangebaute Rotweinrebsorte Zweigelt zeichnet charmante Kirsch - Weichselnoten aus, ähnlich dem Blaufränkisch mit Anklängen an Veilchen. Dunkle Beeren, Weichseln und oft Zwetschken sind die Erkennungsmerkmale des St. Laurent, intensive fruchtige Ribiseldüfte die des Blauen Wildbachers, woraus der berühmte Schilcher gekeltert wird. Von Eleganz getragen und mit den Duftnoten von Himbeeren, Erdbeeren, Mandeln und Nüssen ausgestattet kommt oft der Blaue Burgunder in die Gläser während, die internationale Rebsorte Cabernet Sauvignon von Cassis, der Schwarzen Johannisbeere getragen wird. Bemerkenswert ist heute auch der Syrah oder Shiraz mit seinem vielschichtigen Duft nach dunklen Gewürzen und Kräutern.
Man könnte diese Liste beliebig fortsetzen, werden weltweit doch über 8000 Qualitätsrebsorten kultiviert. Eines gilt allerdings für jede Qualität im Glas – ein guter Wein wird immer mit einem angenehmen, oft animierenden Duft erfreuen, der mit Genuss eingeatmet wird und die Vorfreude auf den ersten Schluck dementsprechend steigert.
In diesem Sinne wünsche ich allen Genießern viele fruchtig-frische, duftige Weine die zum unvergesslichen Erlebnis werden. |
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